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Marcus Weigl

In der regionalen Kunstszene ist der Bildhauer Marcus Weigl längst eine feste Größe. In zahlreichen Ausstellungen war er bereits mit seinen Arbeiten zu sehen. Aus der Zusammenarbeit mit anderen Künstlern, Architekten und Designern tragen vielfältige Ergebnisse auch seine Handschrift. Seit 1995 betreibt er eine eigene "Kunstwerkstatt"; unmittelbar angeschlossen ist sein auf über 3,5 ha Grund installierter "Kunstgarten" und "Kunstpfad", eine permanente Werkschau, die immer wieder erweitert und neu arrangiert wird. Hier zeigen sich bereits deutlich zwei Hauptlinien des Weigl`schen Kunstverständnis: Zum einen die Gegenüberstellung der künstlerischen Schöpfung mit der natürlichen Schöpfung, ja geradezu die Konfrontation des ästhetischen Konzentrats mit der wuchernden Formenüppigkeit der Natur, anderseits aber auch die Rückgabe, ja Preisgabe der geleisteten künstlerisch-elementaren Gestalt an an eben diese Elemente: So ist das verrostende Metall ( selbst Aluminium und Edelstahl korrodieren) in der verrottenden Vegetation, so ist die korrodierende Skulptur in der `größeren` Natur ein künstlerisch bewusst gesetztes Bild.

Die Problematik des modernen Menschen liegt nicht mehr im Persönlichen, sondern im Prinzipiellen. Folgerichtig löste sich die Kunst - hier: die moderne Bildhauerei - von der Abbildung des konkret-körperlich Individuellen, kam über die Schematisierung durch kubisch-geometrische Formen als allen Gestalten innewohnend zu neu Repräsentativem. Dies wurde nun weiter abstrahiert, kodiert, gekürzt, gekürzelt, und chiffriert, bis zur beinahe restlosen Typisierung, um zu einer essentiellen, gleichsam mathematisch-restlosen Aussage zu kommen. Der Weg ging vom Raum zum Körper zur Gestalt zum Objekt zum Konzept zur Situation. Der ursprünglich plastische Gedanke gerät schließlich an die Grenze der Dreidimensionalität, gewinnt aber neue Möglichkeiten durch die Medien Licht, Bewegung, Klang, Elektrizität und Kinetik. Das gesamte Werk von Marcus Weigl steht im Kontext dieser Formensprache.

`Plastik ist Denken` lautet ein Satz von Joseph Beuys. Die plastischen Arbeiten von Marcus Weigl sind das Ergebnis seiner denkerischen Auseinandersetzung mit Mensch, Welt und Universum, ausgedrückt allerdings mit dem aktuellen bildhauerischen Vokabular. Dies gilt auch für seine neusten Formfindungen, die man mit dem Paradox einer `zweidimensionalen Skulptur `bezeichnen möchte: Flächiges Metall, Verfremdung der Leinwand des Malers, Relief-Erinnerungen: geritzt, gekerbt, geätzt, geschnitten, durchbrochen, bemalt und - besonders im gerahmten Kleinformat, aber auch im Großformat - verwundete Materie, aufgebrochen, Narben, Schnitte, aber auch Versorgtes, Heilendes, kreativ-Behandeltes. In anderen scheint, wie im Kalkschiefer sich manchmal fossile Lebensspuren erhalten haben, hier eine geistige Spur, ein bewusstes Zeichen eingeprägt; (Übrigens scheinen hier die neutralen, breiten Rahmen wesentlicher Teil des Objektes zu sein: sie wirken als Lupe , vergrößern, betonen das Auschnitthafte): So entstanden Meditationen, Mantra-Variationen, kleine Denk-male, lakonische Fixierungen. Daneben kehrte das Körperliche zurück, aber ausgedünnt zur Draht-figur, Mischung aus Fetisch-Puppen und Piktogrammen, archaisch und futuristisch.

Für den eiligen Konsumenten, den Unterhaltungsuchenden, für eingefleischte Sehgewohnheiten ist das Werk von Marcus Weigl nichtssagend und rätselhaft. Wer sich aber eingelesen hat in die Formensprache der modernen Bildhauerei, wem die Sprache des Elementarischen, des Raums, des Zwischenraums, Hohlraums, der Raumgewinnung und der Raumverdrängung, von Statik und Dynamik, von Volumen und Leere, von Flächen, Achsen, Kanten, Dreh- und Angelpunkten, wem diese Sprache und ihre Bedeutung, ihre Symbolik vertraut ist, kurz, dem, der sich bemüht um Verständnis, wird sich auch die Eigenart des Marcus Weigl erschliessen. Er wird auf einen Künstler treffen, der, weit entfernt von der Pose des Belehrens oder gar des Besser-Wissens unaufdringlich, uneitel, aber ernst, glaubwürdig und konsequent zu seinen formalen Ergebnissen gelangt. Er wird in jeder seiner Arbeiten die genannten Hauptmotive wiederfinden: die strenge, sich der schnellen Deutung widersetzende, verschlüsselte Form gegenüber der üppig wuchernden Meinungsvielfalt einerseits, aber auch das Angebot an den ernsthaften Betrachter, nach einer zu leistenden Entschlüsselung zu erreichen, wozu letztlich alle Kunst unternommen wird : den Moment echter Kommunikation zwischen Künstler und Betrachter über das Medium des Werks.

Th.M.W.